~ Speaches, Verses, Thoughts, etc. ~








»Der Eingang eines Tepees zeigt immer nach Osten. Wenn der Indianer am Morgen hinaustritt, um die Sonne zu begrüssen, die im Osten emporsteigt, wendet er sein Gesicht dem neuen Tag zu und macht vier Schritte. Jeder der Schritte ist von einem Wunsch begleitet, einem Wunsch für jeden Schritt und für jede der vier Jahreszeiten, die vor uns liegen. Damit schaut der Indianer nach Westen; Er nimmt den Pfad der Sonne vorweg, geht ihr voraus, bevor sie noch selber den westlichen Horizont erreicht hat. Auf diese Weise drückt er aus, dass er nicht zurück kann; Der Tag, der gestern war, ist vergangen. Er blickt nach vorn.
Im Leben eines Indianers gibt es keine schlechten Tage. Auch wenn es noch so stürmisch ist – jeder Tag ist gut. Weil du am Leben bist, ist jeder Tag gut.«
~ Henry Old Coyote ~



»Die Wiegenlieder meines Volkes wurden von Generation zu Generation überliefert. Wir singen sie heute noch. Viele dieser Lieder erzählen davon, wie zärtlich Tiereltern für ihre Jungen sorgen; andere erzählen, woher unser Volk kommt und von den Orten, an denen wir lebten. Mit diesen Liedern wollen wir unsere Kinder vor allem eines lehren – Ehrfurcht. Ehrfurcht und Achtung vor ihren Mitgeschöpfen. Erst wenn sie gelernt haben, andere zu achten, werden sie sich selber achten; durch diese Selbstachtung aber gewinnen sie auch den Respekt der anderen. Selbstachtung ist eine jener Eigenschaften, die meinem Volk wichtig sind und die wir unterstützen und pflegen. Ohne Selbstachtung kann der Mensch nicht leben.«
~ Henry Old Coyote ~



»Die Menschen meines Volkes waren weise. Sie vernachlässigten ihre Kinder nicht, unsere Lehrer – Grossväter, Väter, Onkel – waren sorgfältig und geduldig. Sie versäumten es nie, eine gute Leistung zu loben, vermieden es aber, dabei ein Wort zu sagen, das einen anderen Jungen entmutigt hätte, der nicht so schnelle lernte. Wenn ein Junge versagte und eine Aufgabe nicht bewältigte, nahmen sie sich seiner mit doppelter Mühe an, bis er seine Fähigkeiten entfaltet hatte und so weit war, wie es seinen Anlagen entsprach.«
~ Plenty Coups ~



»Eure Leute glauben, dass die Erziehung in den Schulen darauf ausgerichtet sein sollte, aus Indianern weisse Menschen zu machen. Wir haben nie vorgeschlagen, aus Weissen Indianer zu machen, obwohl das für sie nützlich sein könnte, und daher sind wir auch dagegen, wenn man versucht, uns Indianer zu Weissen anzugleichen. Für uns ist es besser, gute Indianer zu sein als schlechte Weisse. Warum können Indianer nicht wie Indianer neben den weissen Menschen leben und trotzdem von ihnen geachtet werden?
Ich habe keine höhere Schule besucht, aber der Grosse Geist gab mir, was ich in keinem Klassenzimmer hätte lernen können: das Herz und den Willen, Erkenntnis zu erlangen. Ich wünsche mir, dass unsere jungen Menschen auf die Suche nach der Wahrheit gehen, nach jener Wahrheit, die die Natur allen gibt, die sich ehrlich darum bemühen. Viele gebildete Menschen verstehen sehr wenig von der Schöpfung des Grossen Geistes und ihren Wundern, während viele ungebildete Menschen dieses Verständnis besitzen. Ich ging auf keine eurer höheren Schulen, und doch besuchte ich die beste Universität, die es gibt, die grosse Universität draussen in der Natur.«
~ Tatanga Mani ~



»Mein Grossvater wies mir den Weg
Nach Osten, um mir die Kraft des Bären zu geben;
Nach Süden, um mir den Mut des Adlers zu geben;
Nach Westen, um mir die Weisheit der Eule zu geben;
Nach Norden, um mir die Schlauheit des Fuchses zu geben;
Zur Erde, damit sie mir ihre Früchte schenke;
Zum Himmel, damit ich ein gutes Leben führe.«
~ Alonzo Lopez ~



»Wir Indianer werden niemals eine grossartige Organisation besitzen, die unsere Rechte auf der Strasse erkämpft. Wir werden niemals eine bedeutende politische Macht sein, und es wird auch keine einflussreiche Lobby hinter uns stehen. Aber wir werden immer jene Einheit und Gemeinschaft besitzen, die uns vier Jahrhunderte der Verfolgung überstehen hat lassen. Wir sind ein Volk, geeint durch unserer Menschlichkeit. Aus unserer grösseren inneren Kraft heraus werden wir dem Weissen Mann Widerstand leisten und schliesslich stärker sein als er. Wir werden überleben.«
~ Vine Deloria jr. ~



»Jede Ratsversammlung der Iroquois beginnt mit einem Gebet. In diesem Gebet werden die Versammelten aufgefordert, dankbar zu sein für all das, was ihnen die Schöpfung gegeben hat – für alles auf der erde und für alles über der Erde, wie Sonne, Mond und Sterne.
Unser Volk weiss, dass der Natur eine wichtige Rolle zukommt, denn die Natur kann ohne den Menschen bestehen, der Mensch aber nicht ohne sie. Hegten die Weissen eine ähnliche Dankbarkeit für die Geschenke der Schöpfung, so wäre die Erde ein besserer Platz zum Leben, denn niemand vernichtet, was er verehrt und liebt.«
~ Ernest Benedict ~



»In allem, was ein Indianer tut, findet ihr die Form des Kreises wieder, denn die Kraft der Welt wirkt immer in Kreisen, und alles strebt danach, rund zu sein. Einst, als wir ein starkes und glückliches Volk waren, kam unsere ganze Kraft aus dem heiligen Ring unseres Volkes, und solange dieser Ring nicht zerbrochen war, ging es den Menschen gut. Der blühende Baum war der lebendige Mittelpunkt des Ringes, und der Kreis der vier Himmelsrichtungen nährte ihn. Der Osten gab Frieden und Licht, der Süden gab Wärme, der Westen gab Regen, und der Norden mit seinen eisigen Stürmen verlieh Kraft und Ausdauer.
Alles, was die Kraft der Welt bewirkt, vollzieht sich in einem Kreis. Der Himmel ist rund, und ich habe gehört, dass die Erde rund wie ein Ball ist, so wie alle Sterne auch. Der Wind in seiner grössten Stärke bildet Wirbel. Vögel bauen ihre Nester rund, denn sie haben die gleiche Religion wie wir. Die Sonne steigt empor und neigt sich in einem Kreis. Das gleiche tut der Mond, und beide sind rund.
Auch die Jahreszeiten in ihrem Wechsel bilden einen grossen Kreis und kehren immer wieder. Das Leben des Menschen beschreibt einen Kreis von Kindheit zu Kindheit, und so ist es mit allem, was eine Kraft bewegt. Unsere Tepees waren rund wie Vogelnester und immer im Kreis aufgestellt, dem Ring unseres Volkes – ein Nest aus vielen Nestern, in dem wir nach dem Willen des Grossen Geistes unsere Kinder hegten und grosszogen.«
~ Hehaka Sapa ~



»Wir haben unser Land und unsere Freiheit verloren, aber noch haben wir unsere Art zu denken und zu leben bewahrt. Als Indianer könnten wir einen bedeutenden Beitrag zu eurer Kultur leisten. Nur wenigen Weissen kommt es in den Sinn, dass auch die Menschen anderer Hautfarbe, seien sie nun rot oder schwarz oder gelb, sich Gedanken darüber machen, wie diese Welt besser werden könnte.
vieles ist verrückt in der Welt des weissen Mannes. Wir glauben, dass die Weissen sich mehr Zeit nehmen sollten, um mit der rede, den Wäldern und allem, was wächst, vertrauter zu werden, statt wie eine in Panik geratene Büffelherde herumzurasen. Wenn die weissen Menschen auch nur einige unserer Ratschläge befolgten, fänden sie eine Zufriedenheit, die sie jetzt nicht kennen und die sie auf ihrer verbissenen Jagd nach Geld und Vergnügen vergeblich suchen. Wir Indianer können die Menschen immer noch lehren, wie man im Einklang mit der Natur lebt.«
~ Tatanga Mani ~



»Jeder Fussbreit dieser Erde ist meinem Volk heilig. Jeder Hügel, jedes Tal, jede Ebene und jedes Stück Wald ist untrennbar mit Ereignissen vergangener Tage verknüpft, und diese Ereignisse, traurige und schöne, machen das Land für uns heilig. Sogar die Steine, die wie stumm und tot unter der heissen Sonne an der stillen Küste liegen, sind erfüllt von Erinnerungen an all das, was mit meinem Volk geschehen ist. Ja, selbst der Boden, auf dem ihr steht, der Staub unter euren Füssen, ist empfänglicher für unsere Schritte als für eure, denn er ist getränkt mit dem Blut unserer Vorfahren, und wenn unsere nackten Füsse darüberschreiten, spüren wir seine freundliche Berührung. Unsere toten Krieger, unsere zärtlichen Mütter, unsere fröhlichen jungen Mädchen und selbst unsere kleinen Kinder, die hier lebten und sich für eine kurze Zeit ihres Lebens freuten, lieben die schwermütige Abgeschiedenheit dieses Ortens, und im Abenddämmern grüssen sie die Schatten jener, deren Geist hierher zurückkehrt. Und wenn der letzte rote Mensch von diesem Fleck Erde verschwunden und die Erinnerung an meinen Stamm bei euch Weissen zu einer Legende verblasst ist, werden diese Küsten von den unsichtbaren Toten meines Stammes bevölkert sein; und wenn die Kinder eurer Kinder glauben, allein auf den Feldern zu sein, in den Häusern, in den Geschäften, auf den Strassen oder in der Stille wegloser Wälder, werden sie doch nie allein sein. Auf der ganzen Erde werdet ihr keinen Platz finden, wo ihr allein sein könnt. Nachts, wenn die Strassen eurer Städte und Dörfer still geworden sind und ihr sie verlassen glaubt, werden sich dort die Scharen jener drängen, die einst hier lebten und die dieses schöne Land noch immer lieben. Der weisse Mensch wird niemals allein sein.
Er möge gerecht sein und freundlich mit meinem Volk verfahren, denn die Toten sind nicht machtlos. Sagte ich "die Toten"? Es gibt keinen Tod, nur ein Hinübergehen in eine andere Welt.«
~ Chief Seattle ~



»Ihr weissen Menschen verlangt von uns, dass wir die Erde pflügen, dass wir Gras schneiden und daraus Heu machen und es verkaufen, damit wir reich werden. Ihr weissen Menschen kennt nur die Arbeit. Ich will nicht, dass meine jungen Männer auch gleich werden. Menschen, die immer nur arbeiten, haben keine Zeit zum Träumen, und nur wer Zeit zum Träumen hat, findet Weisheit.«
~ Smohalla ~



»Eure Geschichtsbücher lehren die Kinder, dass wir Indianer Mörder waren – ist man ein Mörder, wenn man sein Leben verteidigt? Wir töteten die Weissen, weil sie uns das Land wegnahmen, unsere Jagdgebiete zerstörten, unsere Wälder niederbrannten, den Bison ausrotteten, von dem wir lebten. Die Weissen pferchten uns zuerst in Reservationen, dann nahmen sie uns auch diese weg. Weisse Männer, die ihr Eigentum verteidigen, nennt ihr Patrioten – Indianer, die dasselbe tun, nennt ihr Mörder.
Die Weissen nannten uns Diebe – uns, die wir in einfachen Zelten aus Tierhäuten lebten und weder Schlösser noch Riegel brauchten. Ihr nennt uns Wilde. Aber was ist Zivilisation? Ihre Kennzeichen sind eine hochstehende Religion und Lebenssicht, eigenständige Kunst und Musik, ein reicher Schatz an Geschichten und Legenden. Das alles hatten wir. Wir sangen Lieder, in deren Melodien die Natur zu uns sprach – das Rauschen des Wassers, die Stimme des Windes, die Rufe der Tiere. Lehrt eure Kinder diese Lieder, damit sie die Natur so lieben lernen wie wir. Sagt ihnen, dass wir alles, was schön war, liebten und schätzten. Dass wir nie zum Vergnügen jagten, sondern einzig um unseren Hunger zu stillen. Weisse Menschen, die die Jagd als Sport betreiben, sind in unseren Augen Mörder.«
~ Grand Council Fire of American Indians ~



Meine Geschichtsstunde

»Als kleines Mädchen fragte ich meinen Grossvater,
was denn der rote Mann getan habe,
dass ihn der weisse Mann so hasse.
Mein Grossvater antwortete, der rote Mann
sei in allem so rückständig gewesen:
Er habe sich vom Bison ernährt,
statt ihn zum Vergnügen abzuschiessen.
Er habe sich an der Sonne orientiert,
statt auf eine Uhr zu schauen.
Er habe jenen Menschen für reich gehalten,
der viel hergab,
und nicht den, der viel besass.
Er sei überzeugt gewesen, ein Mensch würde im Alter weise
statt nutzlos und schwach.
Sogar die Männer hätten ihr Haar lang getragen
und es war geschmückt,
statt es kurz zu schneiden wie ein feiner Herr.
Der rote Mann habe den Fortschritt aufgehalten,
sagte mein Grossvater.
Darum war es notwendig, ihn zu töten,
auch wenn er selbst kein Gewehr hatte,
und die Übriggebliebenen umzuerziehen
in den Reservationen der Regierung.
Schliesslich hatte der rote Mann hier nichts zu suchen.
Wir alle wissen doch, dass Columbus America entdeckt hat,
nicht wahr, Liebling?«
~ Bonnie J. Silva ~



»Wir haben nur ein einziges Unrecht begangen – wir haben besessen, was der weisse Mann in seiner Habgier selber besitzen wollte.«
~ Eagle Wing ~



»Brüder, seht, es ist Frühling geworden. Die Sonne hat die Erde umarmt. Alle Samen sind erwacht, alle Tiere haben neu zu leben begonnen. Von dieser grossen, geheimnisvollen Kraft stammt auch unser Leben. Daher gewähren wir all unseren Nachbarn, selbst den Tieren, das gleiche Recht, das auch wir beanspruchen; das Recht, in diesem Land zu leben.
jetzt aber, mein Volk, haben wir es mit einer anderen Art von Menschen zu tun. Klein und schwach waren sie, als unsere Väter sie kennenlernten, aber nun sind sie gross und anmassend geworden. Die Liebe zum Besitz ist eine Krankheit, an der sie alle leiden. Sie haben viele Gesetze gemacht, die die Reichen brechen dürfen, die Armen aber nicht. Sie nehmen Steuern von den Armen und Schwachen und unterstützen damit die Reichen, die über die anderen herrschen. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, als ihr Eigentum und bauen Zäune, um die Nachbarn fernzuhalten. Sie schänden die Erde mit ihren Bauwerken und ihrem Abfall. Das Volk der Weissen gleicht einem Fluss, der im Frühling über die Ufer tritt und alles in seinem Umkreis zerstört.
wir können nicht Seite an Seite mit ihnen leben. Vor sieben Jahren erst schlossen wir einen Vertrag, der uns das Bisonland für immer zusprach. Nun wollen sie es uns wegnehmen. Brüder, sollen wir uns ihnen unterwerfen? Oder sollen wir zu ihnen sagen: "Bevor ihr das Land meiner Väter in Besitz nehmt, müsst ihr mich zuerst töten ...«
~ Sitting Bull ~



»Welchen Vertrag, den die Weissen eingehalten haben, hat der rote Mann gebrochen? Nicht einen. Welchen Vertrag, den die Weissen mit uns schlossen, haben sie gehalten? Nicht einen. Als ich ein Junge war, gehörte die Welt den Sioux. Die Sonne ging auf und unter in ihrem Land, sie schickten zehntausend Männer in den Kampf. Wo sind heute die Krieger? Wer hat sie getötet? Wo ist unser Land? Wem gehört es?
Welcher Weisse kann sagen, dass ich ihm sein Land oder einen Penny seines Geldes gestohlen hätte? Und doch nennen sie mich einen Dieb. Welche weisse Frau, auch wenn sie ganz allein war, wurde jemals von mir gefangengenommen oder beleidigt? Und doch nennen sie mich einen schlechten Indianer. Welcher Weisse hat mich jemals betrunken gesehen? Wer ist jemals hungrig zu mir gekommen und wurde nicht satt? Wer hat je gesehen, dass ich meine Frauen schlug oder meine Kinder misshandelte? Welches Gesetzt habe ich gebrochen? Ist es ein Unrecht, wenn ich die Meinen liebe? Bin ich böse, weil meine Hautfarbe rot ist? Weil ich ein Sioux bin? Weil ich geboren wurde, wo mein Vater lebte, weil ich bereit bin, für mein Volk und für mein Land zu sterben?«
~ Sitting Bull ~



»Ihr wollt, dass wir in eine Reservation gehen, und ihr wollt Häuser und Medizinhütten für uns bauen. Ich brauche all das nicht. Ich wurde in de Prärie geboren, wo der Wind frei darüberstrich und nichts das Licht der Sonne abschirmte. Ich wurde in einem Land geboren, wo es keine Zäune gab und alles frei atmete. Dort möchte ich auch sterben – und nicht zwischen Wänden. Ich kenne jeden Wasserlauf und jeden Wald zwischen dem Rio Grande und dem Arkansas, ich habe in diesem Land gejagt und gelebt. Ich lebte wie meine Väter vor mir, und wie sie lebte ich glücklich.«
~ Ten Bears ~



»Meine Vernunft sagt mir, dass man Land nicht verkaufen kann. Der Grosse Geist gab es seinen Kindern, damit sie einen Platz zum Leben haben und auf ihren Feldern anbauen, was sie an Nahrung brauchen. Solange sie dort wohnen und ihre Felder bestellen, haben sie ein Anrecht auf diesen Grund und Boden – nur wenn sie ihr Land freiwillig verlassen, dürfen sich andere Menschen darauf ansiedeln. Verkaufen kann man nur Dinge, die man wegtragen kann.«
~ Black Hawk ~



»Das Land verkaufen? Warum nicht auch die Luft und das Meer? Hat nicht der Grosse Geist all das zum Wohl seiner Kinder erschaffen?«
~ Tecumseh ~



»Weisse Männer mit ihren gefleckten Bisons, den Rindern, waren nun überall auf der Prärie. Ihre Häuser standen in der Nähe der Wasserlöcher, und sie bauten ihre Siedlungen am Ufer der Flüsse. Obwohl wir unser Leben von Grund auf ändern mussten, beschlossen wir, freundlich zu den Weissen zu sein. Das war nicht leicht. Zu oft versprachen sie etwas, hielten dann aber ihr Versprechen nicht und handelten ganz anders.
Sie verkündeten, dass ihre Gesetze für jeden Gültigkeit hätten. Doch wir erkannten bald, dass sie zwar von uns verlangten, die Gesetze zu halten, selbst aber nicht daran dachten. Sie sagten uns, dass wir keinen Whisky trinken sollten, erzeugten ihn aber selber und tauschten dafür Pelze und Bisonhäute ein, bis fast nichts mehr für uns übrig blieb. Ihre weisen Männer forderten uns auf, ihre Religion anzunehmen. Als wir diese aber zu verstehen suchten, merkten wir, dass es bei den Weissen viele verschiedene Religionen gab und kaum zwei Weisse darin übereinstimmten, welches die rechte Lehre sei. Wir konnten das nicht begreifen, bis uns bewusst wurde, dass die Weissen ihre Religion ebensowenig ernst nahmen wie ihre Gesetze; sie benützten beides nur, wenn sie sich Fremden gegenüber einen Vorteil davon versprachen. Das war nicht unsere Art. Wir hielten unsere Gesetze und lebten nach unserer Religion. Wir konnten den weissen Mann nie verstehen, der nur sich selbst zum Narren hält.«
~ Plenty Coups ~



»Ich weiss nicht mehr, was ich glauben soll. Vor einigen Jahren besuchte uns ein guter Mann und redete mir meinen alten Glauben aus. Ich dachte, er müsse von diesen Dingen mehr verstehen als ein ungebildeter Indianer, und so trat ich seiner Kirche bei und wurde Methodist. Nach einer Weile ging er fort; ein anderer kam und redete, und ich wurde Baptist; dann kam wieder ein anderer, redete, und ich wurde Presbyterianer. Nun ist schon wieder ein er da und will, dass ich der Episkopalkirche beitrete. Alle diese Leute erzählen verschiedenes, und jeder von ihnen beteuert, sein Weg sei der einzige, um gut zu leben und meine Seele zu retten. Entweder – so denke ich mir – sie lügen alle, oder sie wissen darüber keine Spur mehr als ich wusste, bevor der erste von ihnen kam. Ich habe immer an den Grossen Geist geglaubt und ihn auf meine Weise verehrt. Anscheinend wollen diese Leute nicht meinen Glauben an den Grossen Geist verändern, sondern nur die Art und Weise, wie ich mit ihm spreche. Die Weissen besitzen Bücher und Bildung und sollten eigentlich genau wissen, was zu tun ist, aber kaum zwei von ihnen sind sich je darüber einig.«
~ Spotted Tail ~



»Mein Herz wurde schwer, als ich die vielen toten Bison sah, überall in unserem schönen Land. Die weissen Jäger nahmen nur die Häute und liessen die toten Tiere verrotten, viele, viele Hunderte. Im Judith-Becken sah ich zum erstenmal; das ganze Land stank nach verwestem Fleisch. Nicht einmal der Duft der Blumen konnte den Gestank vertreiben. Unsere Herzen fühlten sich an wie Steine. Und doch glaubte niemand von uns – sogar damals noch nicht –, dass der weisse Mann alle Bison töten würde. Aber er tat es, obwohl er das Fleisch gar nicht brauchte.«
~ Pretty Shield ~



»Ich bin des Kämpfens müde. Unsere Häuptlinge sind gefallen. Looking Glass ist tot. Toohulhulsote ist tot. Keiner der alten Männer ist mehr am Leben. Jetzt sind es die jungen, die ja oder nein sagen müssen. Mein Bruder Ollokot, der die jungen Männer führte, ist tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Ein paar von meinen Leuten sind in die Berge geflohen, sie haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiss, wo sie sind, vielleicht erfrieren sie. Ich möchte meine Kinder suchen und sehen, wie viele von ihnen ich finden kann. Vielleicht werde ich sie unter den Toten finden. Hört mich an, meine Häuptlinge! Ich bin müde, mein Herz ist krank und traurig. Seht, wo die Sonne jetzt steht – von nun an werde ich nie wieder kämpfen.«
~ Chief Joseph ~



»Lasst mich ein freier Mann sein! Lasst mich gehen, wohin ich will, und bleiben, wo ich will, lasst mich den Ort selber wählen, wo ich arbeite und Handel treibe. Gebt mir die Freiheit, meine Lehrer selbst auszusuchen und der Religion meiner Väter zu folgen, gebt mir die Freiheit zu denken, zu reden und zu leben, wie es mir entspricht. Tut ihr das, werde ich jedes eurer Gesetze befolgen oder – wenn ich sie übertrete – mich der Bestrafung fügen.
Wenn die Weissen uns Indianer einmal so behandeln wie ihresgleichen, wird es keinen Krieg mehr geben. Wir alle werden gleich sein – Brüder, die denselben Vater und dieselbe Mutter haben, über uns derselbe Himmel, um uns ein gemeinsames Land mit einer Regierung für alle. Dann wird der Grosse Geist freundlich auf dieses Land herniederblicken, und sein Regen wird das Blut, das von Brüdern vergossen wurde, vom Antlitz der Erde wegwaschen. Auf diese Zeit warten wir Indianer, und wir beten, dass sie komme.«
~ Chief Joseph ~













Last Update: July 27, 2003